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Netze: öffentliches Kolloquium zur ehemaligen Klosterkirche der Zisterzienserinnen

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Kunst und Kirche

Bis in die 1980 er Jahre wurde heftig darüber debattiert, ob autonome Gegenwartskunst im Raum der Kirche einen Platz finden könne. Allzu lange, ja über Jahrhunderte hinweg, hatte die bildende Kunst in der Kirche eine dienende Funktion, wurde als Magd der Theologie verstanden und sollte allein religiöse Inhalte und biblische Motive bzw. Geschichten illustrieren. Aus dieser dienenden Funktion hat sich die Kunst jedoch im Zuge der Reformation und der Renaissance befreit und ist autonom geworden, d.h. sie ist nur noch sich selbst verpflichtet und sucht sich ihre Gegenstände und ihre Formensprache nach ihren eigenen Maßstäben. Die Kirche und die Kunst der Moderne entfernten sich voneinander.

Bis sich vor ca. 40 Jahren die Türen mancher Kirchen zunächst für temporäre Ausstellungen zeitgenössischer Kunst öffneten. Dies wurde begleitet durch zahlreiche Tagungen und Publikationen, in denen Theologie und Ästhetik, Kirche und Kunst neu ins Verhältnis gesetzt wurden. Es wurde postuliert, dass Kirche und Kunst sich gegenseitig fruchtbar herausfordern, ja sich gegenseitig bereichern können, wenn sie sich auf Augenhöhe begegnen. Künstler und Künstlerinnen kamen mit Gemeinden und Theolog*innen neu ins Gespräch, so dass gegenseitiges Vertrauen wachsen konnte.

Wie sich Künstler*innen heute auf kirchliche Räume und religiöse Themen einlassen, wird an vielen gelungenen Beispielen des Zusammenspiels von Kirche und Kunst sichtbar. Sie zeigen, dass Künstler*innen im Kirchenraum ihre kreative Freiheit zu bewahren vermögen und die Kunst ihre Wirkmächtigkeit entfaltet gerade auch da, wo sie sich religiöser Deutung öffnet. Die Kunst kommt als autonome Kunst in den evangelischen Kirchenraum, aber sie erfährt an diesem Ort eine zusätzliche Wirkung, die sie im Museum, in der Galerie oder im privaten Raum nicht entfalten könnte. Die autonome Kunst wird im Glaubensvollzug der Gemeinde um eine Dimension, um ihren transzendenten Grund erweitert. Im Gegenzug bringt die Kunst etwas Neues, etwas, das nur durch sie selbst in der Welt ist, in den Kirchenraum und bereichert so die Raumerfahrung und die gottesdienstliche Feier um eine sinnliche Dimension.

Im kritischen Dialog mit Kirchen und Gemeinden haben Künstler und Künstlerinnen - auch im Bereich der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck - inzwischen eine Fülle von Raumgestaltungen, Glasfenstern, Prinzipalstücken, Skulpturen, Installationen, Abendmahlsgeräten, Malereien und Paramenten geschaffen.

Wie kommt die Kunst in die Gemeinden? In der EKKW gibt es seit 1993 einen Fonds Kunst und Kirche, der künstlerische Gestaltungen von Kirchenräumen fördert und Gemeinden berät. Wie sich Gemeinden dort bewerben können, wie der Kunstfonds arbeitet und nach welchen Kriterien die Jury entscheidet, lesen sie hier.

Inzwischen kann die Kunstförderung der EKKW auf weit mehr als 100 geförderte Projekte zurückblicken, von denen an dieser Stelle einige präsentiert werden.

Sie sind entnommen der Publikation:
Mut zum Gestalten, Kunstförderung in der Evangelischen Kirche
von Kurhessen-Waldeck
.
Mit Beiträgen von Thomas Erne, Michael Frede (MF)
und Götz J. Pfeiffer (GJP).
Evangelischer Medienverband Kassel, 2013.

Alle Fotos: Dr. Götz J. Pfeiffer